Das Lebendgebärenden

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Auszüge aus den Magazinen als Leseprobe

Kees de Jong - Reproduktiver Erfolg bei Männchen der Zwergkärpflinge  aus Heft 2/2009

Gunter Teichmann - Die Gattung Characodon Teil 1 (Seite 1 von 6) aus Heft 1/2009

Dr. Dieter Gentzsch - Gegenwärtiger Wissensstand von Endlers Guppy, Cumana- und Campoma-Guppy (Poecilia wingei) (Seite 1 von 7) aus Heft 1/2008

Matthias Naumann - Darmentzündung bei Hochlandkärpflingen aus Heft 1/2007

Steffen Riese - Die Arten der Gattungen Micropoecilia (Seite 1 von 11) aus Heft 3&4/2005

Kees de Jong - Die Schwertträger-Wildformen: für jeden Aquarianer interessant (Seite 1 von 11 Seiten) aus Heft 1&2/2005

Dr. Dieter Gentzsch - Wurfabstände und Anzahl Jungtiere bei lebendgebärenden Zierfischen (Seite 1 von 8 Seiten) aus Heft 4/2004

Kees de Jong - Ein interessanter und attraktiver Fisch aus der Gattung Poeciliopsis Regan, 1913, Poeciliopdis turneri Miller, 1975 (Seite 1 von 7) aus Heft 3/2004

Jan Klungers - Erfahrungen mit der Freilandhaltung von Lebendgebärenden ( Seite 1 von 7) aus Heft 2/2004

Udo Wagenknecht - Die Dexter National Fish Hatchery - Eine Fisch-Arche im Süden der USA (Seite 1 von 6) aus Heft 1/2004

Fred Poser - Der Amazonen Molly, Poecilia formosa (Girard 1859), eine schwimmende Biologiestunde (Seite 1 von 6 Seiten) aus Heft 3&4/2003

Martin R. Tversted - Zahnkarpfen und niedrige Temperaturen (Seite 1 von 4) aus Heft 2/2003

Kees de Jong und Fred Poser - Poecilia orri Fowler, 1943, ein selten gepflegter "kurzflossiger" Molly (Seite 1 und 2 von 10 Seiten) aus Heft 1/2003

 

 

 

Kees de Jong

Reproduktiver Erfolg bei Männchen der Zwergkärpflinge

Zu den Zwergkärpflingen gehört Heterandria formosa, Agassiz, 1855, zu den bekanntesten Poeciliiden. Dieser kleine Fisch ausden südlichen Staaten der USA und stellt wenige Anforderungen an die Pflege. Die Wassertemperatur sollte zwischen 12 und 28 ° C liegen und an die Wasserwerte stellt er keine großartigen Anforderungen.

Die Zucht ist nicht schwierig und wenn es genug Rückzugsräume gibt, werden immer Junge im Aquarium schwimmen. Die Reproduktion der Zwergkärpflinge unterscheidet sich von den meisten anderen Poeciliiden.

Die Jungen werden nicht auf einmal geworfen, sondern in diesem Fall an mehreren Tagen, 1 oder 2 junge werden jeden Tag geboren. Im Körper der Weibchen existieren Jungfische in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Dieses Phänomen wird als Superfötation bezeichnet. Die Männchen können ca. 1,8 cm lang werden und die Länge der Gonopodium beträgt etwa 35 bis 40% der

perlänge. Die Männchen der Zwergkärpflinge werben in der Balz, wie praktisch alle Arten der Poeciliiden mit einem langen Gonopodium, nicht vor der Paarung. ASPBURY & BASOLO haben die Bevorzugung der Weibchen und die erfolgreiche Befruchtung der Männchen bei einer Studie zu den Zwergkärpflinge untersucht und gelangten zu folgenden Schlussfolgerungen.

Insgesamt bevorzugen Weibchen größere Männchen und diese Einstellung ist unveränderlich. Man kam daher zu dem Schluss, dass diese Präferenz genetisch bestimmt ist. Pro Weibchen gibt es allerdings Unterschiede im Grad dieser Bevorzugung. Diese Bevorzugung scheint nicht unbedingt auf eine bestimmte Körpergröße der Männchen bestimmt zu sein. Es kann auch eine Funktion in Verbindung mit anderen Faktoren oder eine Kombination dieser die Ursache sein. Es gibt viele Gründe für ein Weibchen, eine Orientierung auf große Männchen zu haben. Einige sind: Gesundheit, deutlich besser Gene und besser Anpassung. Obwohl die Weibchen eine klare Vorliebe haben,  ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Paarung am Ende für alle Männer gleich.

Es gibt drei Gründe, die von den Autoren angegeben werden. Die gegenseitige Konkurrenz zwischen den Männchen ist einflussreicher als die Vorliebe der Weibchen. Eine alternative Balztechnik der reproduktiven Männer gewährleistet, dass die Präferenz der Weibchen weniger Einfluss hat. Die Autoren berichten, dass letzterer Grund etwas überraschend ist. Es könnte durchaus sein, dass die Versuche kein klares Bild der weiblichen Vorlieben für einen Partner ergeben. Es gibt auch andere mögliche Gründe für die Weibchen in der Nähe eines Männchens zu stoppen. Die Anwesenheit dieser Männchen könnte sicherstellen, dass sie weniger durch andere Männer belästigt werden.

Die Belästigung kann in der Nähe eines größeren männlichen Anteils der Anti-Predator-Strategie auch ganz aufhören. Es ist noch viel unklar und es gibt weiteren Forschungsbedarf, um einen besseren Einblick zu bekommen.

Allein wenn die größeren Männchen als Erste bei einem Weibchen sind, haben sie eine größere Chance, als kleinere Männchen diese zu befruchten. Grund dafür könnte ein Zusammenhang von Energiekosten und den damit verbundenen Risiken. Einige Risiken sind: Schäden bei der Übertragung von Sperma, die größere Gefahr während der Paarung gefressen zu werden und auch weniger Zeit, um nach Nahrung zu suchen.
Die Studie machte deutlich, dass die Männchen viel versuchen, um ein Weibchen zu befruchten.

Die Weibchen vieler Arten Poeciliidae nehmen physischen Kontakt mit ihrer Schnauze mit den Männchen auf.
Dieses Verhalten wird als "Nippen"  bezeichnet und tritt auch bei Männchen einiger Arten auf. So ist dies auch bei Männchen von Schwertträger, Platy und Molly's bekannt. Dieses Nippen der Männchen hat eine anregende Wirkung auf die Weibchen. Bei Weibchen wird es oft als negatives und aggressives Verhalten gegenüber den Männchen angesehen. Die Studie von ASPBURY & BASOLO weist nach, dass Weibchen ein solches Verhalten vor allem dann bei Männchen zeigen, wenn die Weibchen kurz vor der Flucht stehen. Es ist zudem ein Signal, dass das Weibchen nicht zur Paarung bereit ist und das Männchen die Bemühungen aufgeben sollte.

Eine letzte Schlussfolgerung dieser Studie ist, dass die Vorliebe für ein bestimmtes Merkmal bei den Weibchen erblich bedingt ist und diese Funktion auf Männchen keine größere Chance auf eine erfolgreiche Fortpflanzung bedeutet.

Die oben genannte Studie wurde unter ganz experimentellen Bedingungen durchgeführt. Dies ist natürlich ein großer Unterschied zu der Situation in der freien Natur, wo die Zwergkärpflinge oft in großen Gruppen auftreten und in denen die Interaktionen zwischen vielen Individuen sehr viel komplexer sind. Da ist die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges von überfallartigen Paarungen zweifellos höher. Darüber hinaus, ist die Definition einer Paarung, wie sie in dieser Studie verwendet wird,  nur mit einem physischen Kontakt zwischen Gonopodium der weiblichen Geschlechtsöffnung definiert worden. Es ist derzeit absolut sicher, dass keine Spermien übertragen wurden.

Literatur:

A.S. Aspbury & A.L. Basolo (2002) Repeatable female preferences, mating order and mating success in the poeciliid fish, Heterandria formosa. Behav. Ecol. Sociobiol. (51): 238-244

(Übersetzung: Bernd Poßeckert)

 

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Dr. Dieter Gentzsch

Gegenwärtiger Wissensstand von Endlers Guppy, Cumana- und Campoma-Guppy (Poecilia wingei)

Ein Vortrag, der auf der gemeinsamen Tagung vom VDA AK-LAF und der GGD – Regionalgruppe Sachsen 2007 in Bretnig gehalten wurde.

Natürliche Verbreitung

Mehrere Autoren, vor allem auch Poeser (2003) haben berechtigterweise darauf hingewiesen, welche Bedeutung für die Bestimmung der Art in vielen Fällen die Kenntnis des natürlichen Biotops hat. Im Übrigen ist es auch für die Bestandserhaltung in den Aquarien für den gezielten Austausch von Fischen zur Verminderung der Gendrift notwendig, die Herkunft der Populationen zu kennen.

Die natürliche Verbreitung des Guppys P. reticulata ist heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Nach Farr (1975) könnte dies Venezuela, Guyana, Surinam, Trinidad und wahrscheinlich Tobago sein.

Die Herkunft des Cumana- und Campoma-Guppy ist aus der Skizze ersichtlich.

 

Probleme der Arten- und Rassendefinition

Auch heute ist folgende Ansicht von Darwin noch voll gültig (Dobzhansky 1958):

„Bei der Entscheidung, ob eine Form als Art oder Rasse einzuordnen ist, dürften ausschließlich die Ansichten von Naturforschern mit gesundem Urteil und reicher Erfahrung maßgebend sein.“ In ähnlichem Sinne hat sich der berühmte Ichthyologe Regan geäußert.

Durch die Evolution müssen immer mehr oder weniger dynamische Übergänge über einen längeren Zeitraum zwischen den Rassen einer Art und neu entstehender Arten bestehen. Logischerweise muss es immer in der Natur mehr oder weniger viele Zwischenformen geben, über die sich dann ein besonders schöpferischer und wissenschaftlicher Meinungsstreit entwickeln sollte. Die Erstbeschreibung von P. wingei gehört auch dazu. Wenn es jemandem gelänge, eine allgemein anwendbare, statische Definition der Art aufzustellen, würde er damit die Gültigkeit der Evolutionstheorie in Frage stellen.

 

Unterscheidung von Zucht- und Wildformen und ihre Probleme bei Ausstellungen

In den letzten Jahren wurde Endlers Guppy entweder als Wild- oder Zuchtform  betrachtet. So hat Hieronimus (1989). diesen als Zucht- und 1998 als Wildform bezeichnet. Das es sich bei Endlers Guppy um eine Zuchtform handelt, hat besonders anschaulich Staeck (2004) begründet. Es erscheint aber vorteilhaft, eine ausführlichere Begründung für die Aquarianer im Folgenden nochmals zu geben. Bei der Pflege und Vermehrung von Wildformen besteht das Ziel, die phänotypischen und genetischen Artmerkmale, die den Wildtyp kennzeichnen, möglichst wenig gegenüber den Populationen in den natürlichen Biotopen zu verändern. Dem entgegen wirken Gendrift (die Aquarientiere enthalten nur einen Teil des Genpools) und Selektionen (nach Mutationen und Rekombinationen, weitgehendes Fehlen des Feindfaktors, gleichmäßigere Futterversorgung, subjektive Auswahl durch den Aquarianer) u. a. Die Bestandserhaltung in den Aquarien hat eine zunehmende Bedeutung, weil auch bei Lebendgebärenden Zahnkarpfen zunehmend Arten in den natürlichen Biotopen aussterben und die Entnahme immer mehr eingeschränkt wird. Um die Nachteile der Aquarienhaltung zu minimieren, sollten die Selektionen ausschließlich auf die Merkmale des Wildtyps vorgenommen und die Bestände aus den gleichen natürlichen Biotopen der verschiedenen Halter teilweise ausgetauscht werden. Man sollte auch bedenken, dass die Unterschiede von Wild- und Zuchtformen fließend sind. Das Ziel der Wildformenfreunde, die Arten in den Aquarien unverändert zu erhalten, kann aus den teilweise genannten Gründen nur in einem gewissen Umfang erreicht werden. Leider weisen alle Wildformen in den Aquarien einen Trend zu Zuchtformen auf.

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von Matthias Naumann

Darmentzündungen bei Hochlandkärpflingen

In der letzten Zeit traten bei einigen der von mir gepflegten Hochlandkärpflingen wiederholt Darmentzündungen auf. Betroffen waren die Arten Allotoca dugesii, Allotoca maculata, Chapalichthys peraticus und Characodon lateralis.

Die Erkrankung äußerte sich bei den Fischen dabei durch einen entzündeten, nach außen gestülpten After und endete bei den unbehandelten, im Hälterungsbecken belassenen Tieren, nach zwei bis drei Tagen immer tödlich. Der Verlust der durchweg seltenen Goodeidenarten war ärgerlich, so dass ich mir fachlichen Rat einholte. Mein Dank gilt an dieser Stelle Herrn Dr. Schmidt von der Firma Alpha Biocare, der mir uneigennützig mit einem Behandlungsvorschlag weiterhalf.

Danach wird der erkrankte Fisch in ein Behandlungsbecken umgesetzt und mit dem Wirkstoff Enrofloxacin (Dosierung: 0,1 mg/Liter) behandelt. Enrofloxacin ist ein Antibiotikum, das in der Veterinärmedizin häufig eingesetzt wird und das man sich über den Tierarzt in einer entsprechenden dosierbaren Menge besorgen muß. Das Behandlungsbecken sollte mit einem Ausströmer durchlüftet werden und möglichst steril eingerichtet sein; also ohne Bodengrund und Filter. Nach zwei Tagen ist das Medikament dann durch einen vollständigen Wasserwechsel zu entfernen. Der Fisch kann zur weiteren Behandlung noch für 1-2 Tage im Behandlungsbecken verbleiben, bevor man ihn wieder ins Hälterungsbecken zurücksetzt. Bis zum Abklingen der Krankheit sollte nicht gefüttert werden, danach kann vorsichtig wieder mit kleinen Mengen begonnen werden.

Der Einsatz von Antibiotika in der Aquaristik ist nicht unumstritten und wird zum Teil auch abgelehnt. So sind die meisten Lebendgebärenden aus ostasiatischen Massenzuchten mittlerweise überhaupt nicht mehr mit Antibiotika therapierbar. Wenn es um die Erhaltung seltener Arten geht, so meine ich, sollte man im Falle von Darmentzündungen eine Behandlung mit Enrofoxacin versuchen.

Allerdings sollte das Hauptaugenmerk in jedem Fall auf die Ursache der Erkrankung und deren Beseitigung gerichtet sein.

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Von Steffen Riese

Die Arten der Gattung Micropoecilia

Je nach Autor gehören der Gattung 4-6 Arten an. Wenn man sich nach POESER'S Revision richtet, sind derzeit 5 Arten valid: M. parae, M. picta, M. branneri, M. minima und M. bifurca. Ich möchte aber auch einige Synonyma mit erwähnen.

Micropoecilia amazonica, GARMAN 1895

Nach POESER nur ein Synonym zu Micropoecilia parae. Ob dies gerechtfertigt ist, können sicherlich nur genaue Untersuchungen bringen. Vielleicht kann sich ein brasilianischer Ichthyologe dazu durchringen und an den Stellen in Brasilien nach der Art suchen, die eventuell als Typuslokalität in Frage kommen. Leider war dies in der Erstbeschreibung sehr allgemein angegeben.

Haltungsberichte in der Literatur, insbesondere vom Anfang des 20. Jahrhunderts, betreffen mit großer Wahrscheinlichkeit andere Arten, z.B. M. parae.

Micropoecilia bifurca, Eigenmann 1909

Die sehr kleine Art wurde ebenfalls sehr lange als Synonym zu M. parae betrachtet, doch MEYER (1993) fand genug Unterschiede, so dass M. bifurca wieder als valide Art angesehen wird.

Die Art hat ein großes Verbreitungsgebiet von Venezuela bis Französisch-Guyana, scheint aber nirgends häufig und wird sicherlich beim Fang auch verwechselt, da sie auch mit anderen Arten der Gattung angetroffen wird.

Ein Schulterfleck und die schön gefärbte Oberkante der Schwanzflosse bei den Männchen sind Merkmale von M. bifurca. Leider waren meine Erfahrungen mit der Art negativ. Erhaltene Wildfänge, die aus der Umgebung von Cayenne, Französisch-Guyana, stammten, magerten ohne erkennbaren Grund ab und starben dann, ohne dass ich Nachwuchs erzielen konnte.

Micropoecilia branneri, Eigemann 1894

Diec Art hat ihr Hauptverbreitungsgebiet im brasilianischen Bundesstaat Para, wurde aber auch schon in den angrenzenden Bundesstaaten Maranhao und Piaui angetroffen.

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Von Kees de Jong

Die Schwertträger-Wildformen: für jeden Aquarianer interessant

HECKEL beschrieb im Jahre 1848 drei lebendgebärende Zahnkarpfen aus Mexiko. Einer davon würde später zu den bekanntesten und am häufigsten gepflegten Aquarienfischen zählen. Ein Merkmal der lebendgebärenden Zahnkarpfen ist die bei den männlichen Tieren zu einem Kopulationsorgan umgewandelte Afterflosse (das Gonopodium). Dieses Merkmal veranlasste HECKEL, die drei Fische als Schwertträger zu bezeichnen und er beschrieb die Gattung dann als Xiphophorus und die Arten als X. helleri, X. bimaculatus (heute: Pseudoxiphophorus bimaculatus) und X. gracilis (heute: Poecilliopsis gracilis). Die als erste beschriebene Art (X. helleri) kennen wir heutzutage als “den Schwertträger”. Sein auffälligstes Merkmal ist die Verlängerung der unteren Flossenstrahlen in der Schwanzflosse bei den männlichen Tieren und häufig wird dadurch angenommen, dass der Name Schwertträger hierauf verweist.

Die Funktion des Schwertes bei den männlichen Schwertträgern wurde untersucht. Es stellte sich heraus, dass Männchen, die über einen Schwert verfügten, von den Weibchen den Vorzug gegenüber ihren schwertlosen Kollegen bekamen. Auch die Weibchen der nahe verwandten schwertlosen Platy’s oder von Schwertträgerarten, deren Männchen kein oder nur ein kleineres Schwert haben, bevorzugen Männchen mit einem grösseren Schwert. Die Idee ist demnach, dass der Stammvater der Fische aus der Gattung Xiphophorus über ein Schwert verfügte.

Um 1908 wurden die ersten lebenden Schwertträger für die Aquarianer verfügbar und seit dem sind sie aus den Becken vieler Aquarianer nicht mehr wegzudenken. Die Tatsache, dass sich sowohl die variablen, natürlichen Populationen, als auch die nahe verwandten Platy’s (X. maculatus (GÜNTHER, 1866) und X. variatus (MEEK, 1904)) einfach kreuzen liessen, hatten zu Folge, dass sehr schnell viele Farbvarianten entstanden. In späteren Jahren kamen zusätzlich auch noch neue Flossenformen hinzu.

Im Jahre 1960 entdeckte Frau THELMA SIMPSON in ihrem Schwertträgerstamm einige Schwertträger mit einer verlängerten Rückenflosse. Es gelang ihr, das Merkmal zu isolieren und anschließend wurde die verlängerte Rückenflosse von vielen Züchtern in sowohl Platy als auch Schwertträgerstämme eingekreuzt. Die Bezeichnung Simpson, die für die verlängerte Dorsale verwendet wird, erinnert immer noch an THELMA SIMPSON.

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Von Dr. Dieter Gentzsch

Wurfabstände und Anzahl Jungtiere bei Lebendgebärenden Zierfischen

Durchgeführte Beobachtungen und Auszählungen

Seit 1975 wurden bei zahlreichen jeweils einzeln im Absatzbecken gehaltene Weibchen die Wurfabstände und zumindest die Anzahl der Jungtiere festgestellt. In den ersten Jahren war dies ausschließlich bei Xiphophorus-Zuchtformen der Fall, z.B. bei der langjährigen Zucht von Hamburger Schwertträgern durch Paarung schwarzer Eltern (Gentzsch 1995) und bei der Zucht des Lyratail-Platys und Lyratail-Variatus durch gezielte Rückkreuzungen (Gentzsch 2004). Durch Erfassung dieser Daten konnten die genauen Zuchtwege exakter beschrieben werden, z.B. die Anzahl der verwendeten Zuchtweibchen und der beträchtliche Umfang der selektiven Tiere. Da die Wurfabstände bei den einzelnen Xiphophorus-Stämmen relativ wenig schwanken, ergab sich als Vorteil, dass besonders als wertvoll betrachtete Weibchen rechtzeitig in das Absetzbecken überführt werden konnten. Die hier angeführten Wurfabstände und Anzahl Jungtiere ergaben sich als ein weiteres Ergebnis der gezielten Xiphophorus.

Ab 1983 wurden die Wurfdaten zunehmend von Wildformen erfasst. Oftmals standen durch die schwierige Beschaffung, weil keine Fangreisen für die ehemaligen DDR-Bürger möglich waren, nur ein oder zwei Weibchen zur Verfügung, was letzten Endes die Pflege intensiviert und das konkrete Auszählen der einzelnen Würfe erleichtert und gefördert hat. Die ermittelten Wurfabstände sind exakt, während sicherlich auch im Absetzbecken Tiere trotz guter Bepflanzung gefressen wurden. Frühmorgens wurden die Absetzbecken nach Jungtieren durchsucht, weil viele Arten nur unwesentlich durch verminderten Leibesumfang das Werfen anzeigen. Dies trifft besonders auf Arten mit Superfötation zu.

Durch das häufige Feststellen von großen Unterschieden bei zahlreichen Wurfabständen der Wildformen, zum Teil in krassem Widerspruch zu Literaturangaben, habe ich in all den Jahren immer einzelne Weibchen kontrolliert abwerfen lassen. Besonders viele Tiere wurden bei Arten einzeln abgesetzt, bei denen eventuell eine Superfötation zu erwarten war. Letzte war bekanntlich den meisten Aquarianern nur bei Heterandria formosa bekannt.

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Von Kees de Jong

Ein interessanter und attraktiver Fisch aus der Gattung Poeciliopsis Regan, 1913, Poeciliopdis turneri Miller, 1975

Zur Gattung Poeciliopsis gehören schlank gebaute lebendgebärende Zahnkarpfen, deren Männchen über ein dünnes, langes Gonopodium verfügen.

Die Gattung hat ein großes Verbreitungsgebiet. vom Südwesten der Vereinigten Staaten bis zum nordwestlichen Punkt Südamerika's werden die Arten dieser Gattung angetroffen. Man findet die Fische hauptsächlich an der Pazifischen Küste. In diesem Gebiet besiedeln die Fische unterschiedlichste Gewässer. Sie werden in fließendem und stehendem Gewässer angetroffen, aber einige Arten kommen auch im Brackwasser vor (wie z.B. Poeciliopsis turrubarensis, Meek, 1912).

Im Aquarium werden die Arten nur wenig gepflegt. Es sind vor allem der gefleckte Poeciliopsis gracilis Heckel, 1848, und Poeciliopsis infans Woolmann, 1894, deren Männchen ab und zu pechschwarz sind, die hin und wieder mal im Aquarium gepflegt werden. Die Fische haben sich überwiegend als anpassungsfähig und leicht zu züchten herausgestellt.

Für die anderen Arten gilt, dass sie nur ab und zu gepflegt werden und nach kurzer Zeit wieder aus den Aquarien verschwinden. Manchmal liegt es daran, dass eine Art schwierig zu pflegen ist (wie z.B. Poeciliopsis paucimaculata Bussing 1967), während es auch passieren kann, dass es für eine bestimmte Art einfach zu wenig Interessenten gibt, was zum Beispiel für Poeciliopsis hnilickai Meyer & Vogel, 1981 zutrifft.

Eine Art, die schon mal eingeführt wurde, aber meines Wissens schon wieder seit geraumer Zeit aus dem Hobby verschwunden ist, ist Poeciliopsis turneri. Die Art lebt im Süden des Bundesstaates Jalisco (westliches Mexiko) im Stromgebiet des Rio Purification und des Rio Resolanae. Sie lebt dort in kleinen und mittelgroßen Strömen im Tiefland. Als ich im Jahre 2000 gemeinsam mit Ivan Dibble, Ludo Couvreur, Jan de Moree und Arthur Frisby in diesem Gebiet unterwegs war, stand die Art auch auf der Wunschliste. Nun kann es durchaus schwierig sein, einen fünf Zentimeter großen Fisch in einem ausgedehnten Gebiet zu finden, aber dank der Hilfe von John Lyons und Omar Dominguez konnten wir die Art ziemlich einfach finden.

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von Jan Klungers

Erfahrungen mit der Freilandhaltung von Lebendgebärenden

In der Aquaristikliteratur über Lebendgebärende findet man häufig die Behauptung, dass es für einige Arten günstig ist, wenn sie während der Sommermonate im Freien gehalten werden. So behauptet Hieronimus (1995), dass dies bei einigen Goodeiden zu kräftigeren Fischen und einer größeren Fruchtbarkeit führe. Stallknecht meint, dass das Aufwachsen bei wechselnden und etwas niedrigeren Temperaturen unter anderem dazu führt, dass sich der Geschlechtsunterschied erst später entwickelt und somit größere und kräftigere Männchen entstehen. Hinweise für das Pflegen von Fischen in Außenbehältern sind aber dürftig; wobei aus der Literatur auch nicht eindeutig hervorgeht welche Arten “gartenteichtauglich” sind.

Gründe genug also mal zu erforschen, welche Schwierigkeiten bei der Freilandhaltung von Lebendgebärenden auftauchen, welche Lösungen es dafür gibt und für welche Arten die Freilandhaltung während der Sommermonate vorteilhaft ist. Ausgangspunkt dabei war, dass die Fische den Aufenthalt im Freien nicht nur vertragen sollten, sondern dass es auch zu ihrem Vorteil sein sollte.

Um dies zu erforschen, habe ich eine beträchtliche Anzahl von Goodeidenarten sowie einige andere Lebendgebärende im Sommer im Freien gepflegt. Insgesamt bis jetzt drei Sommer lang. Außerdem habe ich bei einigen Aquaristikfreunden von Poecilia Nederland und bei Mitgliedern der Newsgruppe Goodeiden (insbesondere bei Martin Tversted) nachgefragt. Die Ergebnisse und ein vorläufiges Fazit finden Sie in diesem Artikel

Der Freilandaufenthalt

Für die Freilandhaltung von Lebendgebärenden verfüge ich über sechs 90-Liter Kübel und über einen flachen (40 cm), runden, zum Teil beschatteten Teich mit einem Durchmesser von zwei Metern. Das erste Problem, das sich anbahnt, ist die Beherrschung der Wassertemperatur. Die Temperatur schwankt selbstverständlich je nach Wetterlage und Tageszeit. Die Extreme sollten vermieden werden.

Dabei bin ich davon ausgegangen, dass eine Temperatur von über 30 °C auch für kürzere Zeit nicht überschritten werden sollte. Eine zu starke Abkühlung während der Nacht, insbesondere wenn es tagsüber kühl war, erschien mir ebenfalls nicht ratsam. Die von der vollen Sonne beschienenen Kübel können sich allerdings stark aufheizen und dabei Temperaturen von über 30 ºC erreichen. Im Teich war die Temperaturbeherrschung kein Thema. Der Teich heizte sich morgens durch die Sonneneinstrahlung schnell auf und war, nachdem die Sonne ihren Zenith passiert hatte (um etwa 14.00 Uhr), leicht beschattet. Auch bei extrem warmem Wetter wurde es nie wärmer als 30 ºC.

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von Udo Wagenknecht

Die Dexter National Fish Hatchery - Eine Fisch-Arche im Süden der USA

In einem interessanten Vortrag auf der 1. Jahreshauptversammlung des Arbeitskreises in Fulda erwähnte Manfred K. Meyer eine Fischzuchtstation zur Arterhaltung - die Dexter National Fish Hatchery & Technology Center in New Mexico. Mein Interesse war geweckt, da meine Frau und ich für den Frühsommer eine Rundreise durch die USA planten. So wurde die Fischzuchtstation in die Reiseroute integriert. Sie stand dann in einer Reihe mit Zielen wie Grand Canyon und Yellowstone Park.

Die Zuchtstation liegt im Südosten des Bundesstaates New Mexico, so dass wir von unserem Ausgangsort Oklahoma City die Stadt Roswell, bekannt durch das angeblich erste dokumentierte Erscheinen von Außerirdischen auf der Erde, bequem in einer Tagestour erreichten. Dexter ist ein kleiner Ort mit 1200 Einwohnern und ca. 18 km von Roswell entfernt. Als ich am Morgen nach unserer Ankunft das Eingangsschild der Zuchtstation erblickte, hatte ich doch etwas Herzklopfen.

Zunächst besichtigten wir einen kleinen Schauraum, der einige der gehaltenen Arten in mit Polyethylen”pflanzen” dekorierten Aquarien und einige Erklärungstafeln enthielt. Dafür hätte die Fahrt kaum gelohnt. Zum Glück klappte alles mit der telefonisch abgesprochenen Besichtigung und wir wurden von Frau Barbara Giesecke, der Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, herzlich begrüßt. Sie zeigte uns die gesamte Station.

Die Dexter National Fish Hatchery & Technology Center, so der volle Name, geht auf eine 1931 gegründete Fischzuchtstation zurück. Diese diente zunächst, wie unzählige andere auch, der Aufzucht von Setzfischen für Angelgewässer. In den siebziger Jahren wurden in den USA neue Naturschutzgesetze erlassen. In dieser Zeit machte sich die Station mit erfolgreichen Vermehrungsversuchen gefährdeter Arten einen Namen. So wurde sie 1978 zur nationalen Zuchtstation für die Arterhaltung und die kommerzielle Fischzucht wurde aufgegeben. 1995 wurde die Station erneuert und ausgebaut. Bild 2 zeigt das dann errichtete Hauptgebäude und Bild 3 eine Luftaufnahme des gesamten Geländes einschließlich der Teichanlagen, die sich über insgesamt knapp 9 ha erstrecken. Heute ist diese Einrichtung nicht nur eine Zuchtstation für gefährdete Arten sondern auch eine Wissenschaftseinrichtung. Es wird Forschung zur Genetik der Fische, deren Verbreitung und deren Lebensansprüche betrieben. Weiterhin werden Methoden zur Vermehrung und zur erfolgreichen Wiederansiedlung in der Natur entwickelt. Die Zuchtstation hat insgesamt 14 Beschäftigte, wovon 9 über einen Hochschulabschluss in Biologie oder Fischereiwirtschaft verfügen.

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 von Fred Poser

Der Amazonen Molly, Poecilia formosa (Girard 1859), eine schwimmende Biologiestunde

Als die Taxonomie der Poeciliiden noch in ihren Kinderschuhen steckte, wurde 1859 von Herrn Girard ein besonderer Fisch beschrieben: Limia formosa; gefangen in Cameron county im amerikanischen Bundesstaat Texas.

Bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurden die Fragezeichen auf den Gesichtern so mancher Wissenschaftler immer größer, denn irgendetwas stimmte da nicht. Von dieser Art wurde nämlich kein einziges Männchen gefangen und wieso hatte dieser Fisch den Namen “formosa” (was schön oder wohlgeformt bedeutet) bekommen. Eine so unscheinbare, graue Maus würde diese Bezeichnung doch nicht verdienen.

Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen findet man in einer Arbeit vom Ehepaar Hubbs (Hubbs & Hubbs, 1932). Sie berichteten, dass viele (aber nicht alle) Merkmale von P. formosa genau zwischen denen von P. mexicana (Steindacher, 1863) und P. latipinna (LeSueur, 1821) liegen. Deshalb glaubten sie, es hier mit einem Bastard zu tun zu haben und versuchten, die Art mit ihren "Alttieren” zurückzukreuzen. Etwas, das bis heute noch nicht gelungen ist. Warum ist das so? Die Weibchen produzieren Eizellen, die nur noch auf ein Signal warten, um sich zu entwickeln

Wie ist der Amazonen Molly genau entstanden?

Im nördlichsten Teil des Verbreitungsgebietes der Gattung hat sich offenbar eine merkwürdige Kreuzung mit völlig ungeahnten Folgen ereignet. Mittels moderner DNA-Analysen hat man feststellen können, dass aus der glücklichen Verbindung zwischen einem P. mexicana (“limantouri”) Weibchen und einem P. latipinna (unbekannte Variante) Männchen (Schartl et al. 1995) einige Töchter geboren wurden, die bereits vollständige Eizellen besaßen. Es war die Geburt eines neuen evolutionären Phänomens.

Es ist jetzt an der Zeit, einige Fragen zu beantworten.

Erstens: Wieso hat dieser langweilige Fisch den Namen ‘formosa’ bekommen? Als Herr Girard die Art beschrieb, standen ihm einige Weibchen und ein Männchen zur Verfügung, nichts ungewöhnliches für einen Biologen. Er konnte nicht wissen, dass es sich bei den Weibchen um eine neue Art handelte und bei dem Männchen um den bereits im Jahre 1821 beschriebenen P. latipinna. Und P. latipinna kann ohne Übertreibung als schön und wohlgeformt bezeichnet werden. Diese Anekdote hat übrigens auch taxonomische Folgen nach sich gezogen.

Aus der Beschreibung geht hervor, dass Girard das Männchen als Holotyp gedacht hatte, obwohl es damals nicht so üblich war, nur einen einzigen Fisch als “typisch” für die Art zu bezeichnen; man wies eine Reihe von Syntypen aus. Und der männliche Syntyp von P. formosa war ein Exemplar von P. latipinna. Das ist eben das Risiko, wenn man mehrere Exemplare aus einer Reihe nimmt. Deshalb wurde es später üblich, einen Holotyp auszuweisen. Um in Zukunft Verwirrung zu vermeiden, hat Dr. Miller 1983 einen Lectotyp für P. formosa ausgewiesen (Miller, 1983), das heißt: ein Exemplar aus einer Reihe, der denselben Status hat wie ein Holotyp.

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von Martin R. Tversted

Zahnkarpfen und niedrige Temperaturen

Immer mehr Züchter haben angefangen ihre Goodeiden im Winter kühl zu halten als Grundlage für eine erfolgreiche Zucht. Manchen mag es vielleicht revolutionär erscheinen, Zahnkarpfen bei derartig niedrige Temperaturen zu pflegen, aber es gibt viele Arten innerhalb dieser Familie, Cyprinodontiformes, die solche Temperaturen vertragen.

Ja, viele profitieren sogar von den niedrigen Temperaturen während einer kühlen Winterpause. Für die in diesem Artikel erwähnten Arten kann die kühle Periode variieren, je nach Art, zwischen einem Monat und fünf Monaten. Ich habe bei einigen Arten darauf hingewiesen dass sie im dänischen Klima winterhart sind. (Temperaturen im Winter bis zu -23 °C) da sie in einem Gartenteich überleben. Einige sind aber nur bedingt winterhart. Sie kommen zwar mit den niedrigen Temparaturen zwar zu recht, aber nicht mit dem Winterregen, der das Wasser sauer machen kann. Andere vertragen die niedrigen Temperaturen, aber nicht für längere Zeit

Die meisten der in dieser Übersicht aufgelisteten Arten eignen sich zur Freilandhaltung in einem Gartenteich während der Sommermonate. Dieses kann unserem Hobby einen neuen Aspekt verleihen und uns etwas über das natürliche Verhalten der Fische zeigen.

Die hier aufgeführten Daten sollten als Anhaltspunkte betrachtet werden. Es ist immer empfehlenswert sich mit der natürlichen Herkunft der Art und den klimatischen Daten ihres Biotops zu befassen. Nachfolgend eine unvollständige Übersicht von Arten die am besten die Kälte vertragen:

Goodeiden:

Allodontichthys tamazulae* 12°C

Ameca splendens* 10°C

Ataeniobius toweri* 10-15°C

Allotoca dugesii* 10°C

Allotoca catarinae* 10°C

Allotoca maculata* 10°C

Allotoca meeki* 10°C

Alloophorus robustus* 10°C

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von Kees de Jong und Fred Poser

Poecilia orri Fowler, 1943, ein selten gepflegter "kurzflossiger Molly

Einführung

Was ist ein Molly? Etwas widerwillig verwenden wir den Namen Molly. Obwohl wir nichts gegen diesen Fisch haben, im Gegenteil sogar, ist der Name Mollyetwas fehl am Platz.

Diese Entartung von Mollienesia, eine Gattung, die von LASUEUR 1823 aufgestellt worden ist, existiert eigentlich nur deshalb als Gattung, weil sie aufgestellt worden ist. Herr LASUEUR überraschte bei der Erstbeschreibung vom Segelflossenmolly Freund und Feind mit der Aufstellung dieser Gattung, um anschließend auf der nächsten Seite das weibliche Exemplar dieser Art (das er auch gefangen hatte) als “Poecilia multilineata” in die Gattung Poecilia einzuordnen. Gegenwärtig betrachtet man die Gattung Mollienesia als Teil von Poecilia und nennt den Segelflossenmolly Poecilia latipinna.

Wenn von Molly’s geredet wird, denkt jeder Aquarianer gleich an den “Black Molly”. Fast jeder hat diesen pechschwarzen Lebendgebärenden schon einmal gepflegt und viele werden sich an die kleinen grauen oder schwarzen Jungfische erinnern können. Um eine möglichst gute Zuchtgruppe zu bekommen, sollte man nur die schwarzen Jungtiere zur Weiterzucht verwenden. Das garantiert auf Dauer die besten Ergebnisse. Die grauen Jungfische färben sich erst im späteren Alter schwarz. Leider ist die Qualität der heute angebotenen Black Molly’s dermaßen schlecht, dass aus der Art mittlerweile ein schwierig zu pflegender Fisch geworden ist. Es wäre zu begrüßen, wenn die professionellen Züchter sich wieder vermehrt auf die Qualität konzentrieren würden statt nur die Quantität zu beachten.

Vom “Black Molly” gibt es kurzflossige und langflossige Exemplare. Beim pechschwarzen Molly lässt sich nicht mehr genau sagen, welche Arten zu seinen Vorfahren gezählt werden müssen. Sollte man die Vorfahren beim Segelflossenmolly Poecilia latipinna (der ursprüngliche Mollienesia) suchen oder bei einer kurzflossigen Art wie Poecilia sphenops? Der pechschwarze Molly ist eine Zuchtform, bei der das genetische Material einer ganzen Reihe von Molly-Arten verwendet worden ist. Die verschiedenen Arten lassen sich nämlich sehr leicht untereinander kreuzen. Trotz des “aquaristischen” Charakters war dies ein beliebtes Forschungsgebiet für den Wissenschaftler CARL HUBBS (HUBBS, 1933, 1934). Er veröffentlichte gerne Artikel darüber. So kreutzte er Poecilia latipinna mit Poecilia sphenops und bekam auf diese Weise ein ähnliche Art wie den Amazonenmolly (“Poecilia formosa”).

Von Poecilia latipinna gibt es eine ganze Reihe verschiedener Formen und manche davon ähneln Poecilia velifera. In Anbetracht des enormen Verbreitungsgebietes (von Texas bis nach Yucatan!) ist das aber nicht verwunderlich. Bei seinen Experimenten ging CARL HUBBS nicht gerade zimperlich vor. Er kreuzte allerhand Arten im Aquarium: P. sphenops x P. latipinna, Limia sp. x Limia sp, Limia sp. x P. sp. (latipinna?), deren Jungtiere eingekreuzt wurden mit P. velifera (der Hochflossenkärpfling), Poecilia reticulata (der Guppy) x P. velifera und natürlich den Guppy x P. latipinna. Sein etwas merkwürdiger Kommentar dabei lautete: “wahrscheinlich lassen sich alle Arten innerhalb einer Gattung miteinander kreuzen”. Das Wort Poecilia fiel ihm nicht ein.

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04.07.2010